Denim without a cause
RUMBLE59 besinnt sich auf rauhe Zeiten – als illegale Schnapsbrenner sich wilde Rennen mit Hillbilly-Cops lieferten, Greaser-Strassengangs sich um Little Italy prügelten und die ersten Rock'n'Roll-Stars auf der Bildfläche erschienen. RUMBLE59 riecht nach Benzin und Selbstgebranntem, nach verrauchten Hinterzimmern und blutigen Boxclubs.
RUMBLE59 ist echt, kommt ohne Schnickschnack aus und so direkt zum Ziel wie ein '32er Ford-V8. Ideal nicht nur für die heimische Hotrod-Werkstatt, sondern ebenso für den harten Alltagseinsatz und wilde Partynächte.
     
   
 
Jugendliche Rebellen, die sich nicht an die herrschenden Regeln der Gesellschaft anpassen wollen und auch schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten, haben seit jeher ihre ganz eigene Tradition in der Traumfabrik Hollywood.
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In den 50er und 60er Jahren rollte eine ganze Welle sogenannter Juvenile Delinquency Films durch die Lichtspielhäuser und Autokinos der USA, die meisten von ihnen B-Movies, die man heute vergessen hat, aber auch eine Handvoll, die schon zu ihrer Zeit große Erfolge feierten und viele Jahrzehnte später noch zu den größten Errungenschaften zählen, die der Tonfilm je hervorgebracht hat. Wie aber rückte der Teenage Outlaw überhaupt ins Zentrum des Interesses einer eigentlich doch viel mehr an strahlenden Helden interessierten und extrem risikoscheuen Filmindustrie?

Wer sich heutzutage, im Zeitalter der Fortsetzungen und Remakes, über den mangelnden Einfallsreichtum Hollywoods ärgert, übersieht möglicherweise, dass das Erfolgsrezept der Traumfabrik schon seit ihren frühesten Tagen daraus bestand, eine einmal erfolgreich gewesene Idee wieder und wieder zu variieren. Ein schönes Beispiel hierfür ist die von Universal Studios 1923 produzierte Verfilmung des Schauerromans The Hunchback of Notre Dame mit Lon Chaney in der Titelrolle, die heute als der erste der sogenannten Universal Horror Classics gilt und die Weichen stellte für all die Draculas, Frankensteins, Werwölfe, Kiemenmänner, Monster und Mumien, die in den folgenden 30 Jahren für volle Kinokassen sorgen sollten.

Die Warner Brothers feierten unterdessen ganz andere Erfolge mit den ersten Ton- und kurz darauf auch Farbfilmen und setzte vorrangig auf farbenprächtige Musicals. Als 1929 die Große Depression einsetzte, bei Kinogängern und Studios das Geld knapp wurde und die Schlagzeilen der Zeitungen voll waren mit den Einzelschicksalen der Gestrandeten, witterte Warner-Studioboss Darryl F. Zanuck den Erfolg und produzierte eine Reihe realistischer Sozialdramen am Rande zum Gangsterfilm, für die sich schnell die Bezeichnung Headliner fand. Auch unter diesen Filmen befand sich ein Überraschungshit, dessen Story und Stil daraufhin nicht nur von Warner, sondern auch von den anderen Studios in Hollywood in den folgenden Jahren immer wieder kopiert wurde: I am a Fugitive from a Chain Gang (1932) erzählt die Geschichte eines unschuldig Verurteilten, der aus der brutalen Kettenhaft nach Chicago entflieht und niemals ganz in ein normales Leben zurückfinden kann.

Mit dem Erfolg von Chain Gang wurde der tragische Antiheld am Randes der Gesetzlosigkeit zu einer Standardfigur Hollywoods, die es seitdem immer wieder gegeben hat. Ein paar Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt sie jedoch eine neue Dimension in der Figur des Motorradgang-Anführers Johnny Strabler alias The Wild One (1953). Bewirkte der junge Marlon Brando auf seiner Triumph Thunderbird 6T damals einen kleinen Skandal – der Motorradhersteller fürchtete um sein Ansehen und wollte nicht als die Marke für rüpelhafte Rowdys dastehen – gilt seine Darstellung des Wilden heute als ikonisch und sein Bild ziert die Anzeigenkampagne von Triumph. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde The Wild One, der wie Chain Gang auf einer wahren Begebenheit basierte, immer wieder aufgegriffen und zitiert. So wird jedem, der Steven Spielbergs Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008) gesehen hat, vermutlich aufgefallen sein, dass Dr. Jones Sohn Mutt mit Lederjacke, schräg sitzender Kappe und röhrender Triumph natürlich eine Hommage an den jungen Brando ist. Hollywood winkt sich halt gerne selbst zu.

Zwei Jahre später waren es wieder die Warner Brothers, die mit einem Jungstar unglaubliche Kassenrekorde feiern sollten. James Dean verkörperte Schmerz, Wut und Sehnsucht wie kein zweiter zu seiner Zeit und zog die Leute in Scharen ins Kino, bevor er nach nur drei Filmen bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Rebel Without a Cause (1955) erschien einen Monat nach seinem Tod und zeigt ihn in seiner Paraderolle als Highschool-Außenseiter Jim Stark, der immer wieder mit der Polizei und seinen verstrittenen Eltern in Konflikt gerät. Galt das mittelklässische Leben in der Vorstadt bis dahin als erstrebenswert, zeigt Rebel die andere Seite: die der unverstandenen Jugendlichen, der Hackordnung an der High School, der Messerkämpfe und mitunter tödlich endenden Hasenfuß-Rennen – die wohl berühmteste Szene des Films, in der Jim und sein Rivale Buzz in Autos auf eine Klippe zu preschen, um herauszufinden, wer von beiden der Feigling ist, der zuerst herausspringt, um sein Leben zu retten.

Rebel spielte an den Kinokassen das Dreifache seiner Produktionskosten ein, die sich auf zu der Zeit sensationelle 1,5 Millionen Dollar beliefen, und wie vor ihm Brando wurde auch der im Alter von nur 24 Jahren verstorbene James Dean zu einer kulturellen Ikone, die heute in Wachsfigurenmuseen verewigt ist. Zwei junge, wilde Kassenmagnete in so kurzer Zeit, das konnte nicht deutlicher werden. Doch dieses Mal waren es nicht die großen Studios, die auf den Erfolgszug aufsprangen, sondern American International Pictures, ein kleines, unabhängiges Studio, das 1954 von James Nicholson und Samuel Z. Arkoff gegründet wurde. Diese beauftragen unter anderem den damals 28-jährigen Newcomer Roger Corman damit, eine Reihe kostengünstiger, aber umso reißerischere Spielfilme für Spätvorstellungen und Autokinos zu produzieren, die sich vorwiegend an ein jüngeres Publikum richten sollten. In den folgenden Jahren entstanden so die von motorisierten Gangs handelnden The Fast and the Furious (1955), Hot Rod Girl (1956) und der zeitgleich veröffentlichte Frauengefängnis-Urfilm Girls in Prison, etwas später dann The Cool and the Crazy (1958) und High School Hellcats (1958), die sich beide mal mehr, mal weniger dreist bei Rebel Without a Cause bedienen, dem Vorbild dabei aber jeglichen Anspruch abstreifen. Nicht umsonst wird American International Pictures heutzutage als hauptsächlicher Geburtshelfer des Exploitation Cinema gesehen. Auch nach dem Ende der fünfziger Jahre bevölkerten jugendliche Straftäter die Leinwände, ihre Milieus wurden jedoch immer wieder an die aktuellen gesellschaftspolitischen Strömungen angepasst. So trug The Wild Ride, der 1960 einen jungen Jack Nicholson als rebellischen Rennfahrer zeigte, nicht von ungefähr einen Titel, der unmittelbar Brandos Johnny Strabler in Erinnerung ruft. Bis dahin ist auch der sogenannte Biker Film, der ebenfalls auf The Wild One zurückgeht, ein fest etabliertes Subgenre, das in den späten Sechzigern zu voller Blüte aufwachsen wird.

1973 ist es ausgerechnet der spätere Star Wars-Regisseur George Lucas, der mit American Graffiti das Leben der Nachkriegsgeneration in den frühen Sechzigern zwischen High School, Sock Hop und Drive-In beleuchtete, und auch hier gibt es mit den Pharaos eine kriminelle Gang, die sich einen Spaß daraus macht, Polizeiwagen lahmzulegen. Auch wenn Graffiti, der alle bisher da gewesenen Kassenrekorde brach, nicht wirklich etwas bei den Juvenile Delinquency Films zu suchen hat, dürfte sein Erfolg jedoch eine große Rolle dabei gespielt haben, dass die 1978 gegründeten Orion Pictures als allererstes die Rechte an Richard Prices ebenfalls recht erfolgreichen Roman The Wanderers aufkauften und diese von dem Filmemacher Philip Kaufman, der selbst in den fünfziger Jahren Anführer einer kriminellen Jugendgang in Chicago war, für die Leinwand adaptieren ließ. Der gleichnamige Film, in dem Ken Wahl den Anführer der titelgebenden Gang aus dem nördlichen Teil der Bronx spielt, zählt nicht zuletzt wegen seines Soundtracks zu den großen Kultfilmen der New Hollywood-Ära, jener aufregenden Zeit, in der sich die einst so glitzernde Traumfabrik mit deutlich dunkleren Filmen neuerfand, die näher am Puls der unsicheren Zeiten lagen als die Musicals und Sandalenfilme der ausklingenden Studioära, und die mit Arthur Penn, Sam Peckinpah oder Francis Ford Coppola Filmschaffende mit ganz eigenen Visionen hervorbrachte.

Letzter hatte sich mit zwei The Godfather-Filmen (1972 & 1974) und dem Epoche machenden Kriegsfilm Apocalypse Now (1979) bereits in den Hollywood-Olymp gehievt, als er 1982 damit begann, zeitgleich The Outsiders und den kurz darauf erscheinenden Nachfolger Rumble Fish zu drehen, beides Verfilmungen von Romanen der in den Fünfzigern geborenen Autorin S. E. Hinton. Während in Outsiders die Rivalität zwischen den straßenerprobten Greasers und den aus wohlbehütetem Hause stammenden Socs zu einer tragischen Auseinandersetzung führt, in deren Verlauf der junge Johnny ohne es zu wollen zum Mörder wird, steht in Rumble Fish wieder ein einsamer Motorradfahrer im Zentrum der Erzählung. Nach Brando und Nicholson ist es dieses Mal ein ebenfalls junger Mickey Rourke als Motorcycle Boy, der mal ein gefürchteter Gangleader war, aber nur eigentlich nur noch verhindern will, dass sein kleiner, stolz zu ihm aufschauender Bruder Rusty James einmal so wird wie er. In der von Johnny Strabler begründeten Figur des jungen Wilden ist 30 Jahre später Ruhe eingekehrt, und die nicht selten deprimierende, sich von der Vergangenheit abwendende Nüchternheit der auslaufenden New Hollywood-Ära zeigt sich in ihrer vollen Pracht.

Auch danach tauchten mehr oder weniger kriminelle Jugendliche und Greasergangs immer wieder in so unterschiedlichen Filmen wie dem Oldtimer-Horror Christine (1983), dem Rock’n’Roll-Märchen Streets Of Fire (1984), der Zeitreisekomödie Back To The Future (1985) oder dem Jungenddrama Stand By Me (1986) auf, spielten dort jedoch meistens nur eine untergeordnete Rolle – meistens die, dem eigentlichen Helden des Films das Leben schwer zu machen, generell sehr unsympathisch zu sein und am Ende die verdiente Strafe zu erhalten. Auch im Highschool-Drama drehen die jahrzehntelang verhöhnten und gebeutelten Lehrer schließlich den Spieß um, bewaffnen sich und schlagen in Class Of 1984 (1982) oder The Principal (1987) recht blutig zurück. Die achtziger Jahre sind einfach keine gute Zeit, um aus einer rebellischen Attitüde heraus auf die schiefe Bahn zu geraten.

Erst 1990 ist es der heute gerne unberechtigterweise als Trash-Filmer abgetane John Waters, der ein Herz für Rebellen im Teenageralter zeigt und mit Cry Baby gleichzeitig eine Parodie auf die Juvenile Delinquency Films und auch den nahezu perfektesten Beitrag zum Genre abliefert. Es geht zurück in die Fünfziger, wo in Baltimore lederbejackte Außenseiter aus schwierigem Elternhaus – allen voran Johnny Depp und Ex-Pornosternchen Traci Lords – zwischen Nachsitzen und Knast pendeln und die Drapes in einem ständigen Clinch mit den Squares liegen. Auch wenn der Film in erster Linie Teen Musicals wie die beiden erfolgreichen Grease-Teile (1987 & 1982) parodiert, finden sich hier doch in der einen oder anderen Form fast alle Figuren und Subjekte des klassischen Juvis, die all die vorgenannten Filme in das visuelle Gedächtnis Hollywoods eingeschrieben haben, und mit denen Cry-Baby in nahezu archetypischer Form ein Wiedersehen feiert. Man könnte sagen, dass Cry-Baby seinen Job so gut macht, dass danach lange Zeit nichts mehr kommen konnte. In der Mitte der Neunziger baumt sich das Genre ein letztes Mal kurz auf, jedoch nicht auf der großen Leinwand, sondern dem kleinen Schirm. Wieder ist es Samuel Z. Arkoff, der mit der Frage „Wie wäre es, wenn man Rebel Without a Cause heutzutage machen würde?“ den Stein ins Rollen bringt und mit seiner American International Pictures noch im selben Jahr unter dem Label Rebel Highway zehn Filme für den Fernsehsender Showtime produziert. Der bekannteste hiervon dürfte Robert Rodriguez Roadracers (1994) mit David Arquette sein, der hierzulande unter dem Titel Bad Boys Never Die das Schattendasein eines relativ obskuren Kulthits fristet. Alle zehn Filme stellen modernisierte Versionen klassischer A.I.P. B-Movies dar, und so findet man unter diesen auch alte Bekannte wie Girls in Prison oder Cool and The Crazy. Nach dem Abgesang Rumble Fish und der nostalgischen Rückschau Cry-Baby hätte dies die Wiedergeburt werden sollen, doch der große Erfolg blieb aus.

Zwar sind die Antihelden mit Autoritätsproblemen ebenso wenig von den Leinwänden verschwunden wie die rivalisierenden Gangs, doch der schwelende Generationskonflikt, der in den fünfziger und sechziger Jahren über sie thematisiert wurde, spielt in zeitgenössischen Filmen kaum noch eine Rolle, und wenn, dann nur als kleiner Teil von komplexeren sozialen Problemen. Das Genre des Juvenile Delinquency Films, wie es hier in sehr stichpunktartiger Form beleuchtet wurde, scheint endgültig zu Grabe getragen und wartet seitdem auf seine eigentlich unweigerlich bevorstehende Renaissance. Denn eins haben wir gelernt: Hollywoods größter Trick besteht darin, sich eigentlich nie was neues einfallen zu lassen.

       
Jack Arnold, Vater des B-Films
von Peter Vignold

Außerirdische, furchteinflößende Monster, spektakuläre Spezialeffekte und 3D – all das, was heute noch Menschen in großer Zahl ins Kino lockt, hat Jack Arnold in den Fünfzigern schon auf die Leinwand gebracht. „It Came From Outer Space“, „Creature From The Black Lagoon“ oder „Tarantula“, sie alle gelten heute zurecht als Hollywoodklassiker, deren Spezialeffekte zu ihrer Zeit als einfach bahnbrechend galten und stets für volle Autokinos sorgten. Obwohl Arnolds Karriere in Hollywood sich bis Mitte der achtziger Jahre fortsetzt, baut sein legendärer Ruf auf einer Handvoll Filme auf, die er zwischen 1950 und 1960 als Vertrags-Regisseur für B-Pictures in den Universal Studios drehte.

Nun war Hollywood schon immer gut darin, wieder und wieder neue Wege zu finden, um an den Dollar seines Publikums zu kommen. Immerhin beschäftigten die Studios zu der Zeit zahlreiche festangestellte Schauspieler, Kameramänner und Autoren, die wie am Fließband neue Filme herunterkurbelten und demzufolge auch bezahlt werden mussten. Eine lange schon erfolgreich praktizierte Methode, um all die Filme in die Kinos zu kriegen, war der Blockverleih von hochkarätigen Filmen mit Starbesetzung gemeinsam mit sogenannten B-Movies, größtenteils Western, die mit deutlich geringeren Budgets und oft auch ohne bekannte Gesichter gedreht wurden. A- und B-Picture liefen dann in Doppelvorstellungen, und so zog auch der Billigfilm sein Publikum. Die Studios erkannten, dass sie neue Filme brauchten, mit denen sie ein jüngeres Publikum erreichen, das nicht wie seine Eltern im Wohn-zimmer vor dem Fernseher sitzen wollte.

1953 gab Universal Pictures schließlich grünes Licht für ein aus damaliger Sicht gewagtes Projekt. Für ein geschätztes Budget von 800.000 Dollar, einer für ein B-Picture gewaltigen Summe, sollte der im Regiefach noch recht unerfahrene Jack Arnold eine Geschichte des im selben Jahr mit seiner düsteren Zukunftsvision „Fahrenheit 451“ zu Weltruhm gelangten Science Fiction Autors Ray Bradbury mit dem Titel „It Came From Outer Space“ verfilmen. Geboren im Jahre 1916 in New Haven, Connecticut, war Jack Arnold Waks, so sein voller Name, als Kind bereits ein großer Fan von Science Fiction Pulp Novels und liebte die Geschichten über Monster und UFOs. Als jungen Erwachsenen zog es ihn dann an die Schauspielschule und später nach New York City an den Broadway, wo er bis zum Ende der dreißiger Jahre in mehreren Produktionen zu sehen war. Doch mit Beginn der Vierziger rief auch für Arnold die Pflicht in Form des Frontdienstes für Uncle Sam. Wir können alle von Glück sprechen, dass er dort nicht, wie er es eigentlich vor hatte, Pilot werden durfte und stattdessen zu einer Funkereinheit auf dem Boden versetzt wurde, denn dort traf er auf Robert Flaherty.

Flaherty war selbst eine Art Hollywood-Legende, seitdem er 1922 als erster einen kommerziell erfolgreichen Dokumentarfilm – damals noch ohne Ton – über eine Eskimofamilie in der Kanadischen Arktis produziert und gedreht hatte. Nachdem „Nanook Of The North“ die Kassen gefüllt hatte, war Flaherty ein gefragter Mann in der Film-industrie und drehte in den folgenden Jahren weitere Stummfilmdokumentationen, aber auch Spielfilme. Während des gemeinsamen Kriegsdienstes wurden Flaherty und Arnold Freunde, und im Laufe der langen Zeit, welche die beiden in Uniform verbrachten, brachte der alte Hollywood-Hase dem Schauspieler schließlich so ziemlich alles bei, was er über das Filmemachen wusste.

Dass Arnold ein guter Schüler war, konnte er ein paar Jahre nach Kriegsende unter Beweis stellen. 1951 drehte er selbst seinen ersten, kurzen Dokumentarfilm mit dem Titel „With These Hands“ und wurde dafür prompt mit einer Oscar-Nominierung geehrt. Kurz darauf unterschrieb er einen Vertrag bei Universal und begann mit der Arbeit zu seinem ersten Film, einem Drama über jugendliche Straftäter – Anfang der 50er Jahre ein sehr beliebtes Kinothema. Noch im selben Jahr beauftragte ihn der Produzent William Alland schließlich mit der Regie von „It Came From Outer Space“, was der Science Fiction Fan durchaus begrüßte. Der in einen verhältnismäßig aufwändigen 3D-Verfahren gedrehte Schwarz-Weiß-Film über Außerirdische, die mit ihrem UFO in der Nähe einer Kleinstadt in Arizona notlanden müssen, ließ die Kinokassen klingeln und setzte damit in der Führungsetage der Universal Studios ein wichtiges Zeichen: Pulp Science Fiction Stories waren das neue Ding und Jack Arnold der Mann mit dem Finger am Puls der Zeit.

Auch Arnolds nächstes Projekt, „Creature From The Black Lagoon“, war wieder ein 3D-Film, jedoch deutlich mehr Horror als Science Fiction. Hier trifft bei einer Amazonas-Expedition eine kleine Gruppe von Forschern im tiefsten Urwald auf Arnolds wohl bekannteste Kreatur, den Kiemenmann, der heute noch einen Ehrenplatz in der Galerie der Universal Monsters innehat. „Der Schrecken vom Amazonas“, wie der Film hierzulande hieß, zog noch mehr Menschen in die Kinos, so dass Universal noch im selben Jahr eine Fortsetzung in Auftrag gab. In „Revenge Of The Creature“ aus dem Jahre 1955 gelingt es Forschern schließlich, den Kiemenmann zu fangen und in ein Aquarium in Florida einzuquartieren. Dort beginnt sich eine Wissenschaftlerin für die Kreatur zu interessieren und es kommt, wie es kommen muss: der Kiemenmann bricht aus und entführt die gutaussehende Forscherin.

Obwohl Universal den Kiemenmann danach noch ein weiteres Mal auf die Leinwand zurückholte, hatte Arnold selbst kein Interesse mehr an einem dritten Teil. Er dreht noch einen Western mit Lex Barker, dann zog es auch ihn zum Fernsehen, wo er einige Folgen für die Serie „Science Fiction Theatre“ inszenierte. Völlig in seinem Element, entwickelte er dort die Story für das, was sein nächster Kinohit werden sollte: ein Wissenschaftler entwickelt im Kampf gegen die drohende Nahrungsmittelknappheit ein Vitamin, das Tiere überproportional wachsen lässt. Doch es kommt zu einem Zwischenfall, bei dem eine mit dem Serum behandelte Tarantel entweicht. Diese wächst unaufhörlich, verwüstet alles was ihr in die Quere kommt und wird schließlich mit einem Napalmangriff der Armee niedergestreckt. Das Publikum überschlug sich vor Freude und so auch Universal Pictures: „Tarantula“ war im wahrsten Sinne des Wortes ein Monsterhit, der sich auch heute noch alleine deshalb lohnt, weil hier ein noch sehr junger Clint Eastwood den Anführer der Jet Piloten spielt, welche die – in aufwändigen Trickverfahren zum Leben erweckte – Riesenspinne zur Strecke bringen.

Während heutzutage jeder denkbare Spezialeffekt mit Hilfe entsprechend leistungsstarker Computer auf die Leinwand gezaubert werden kann, mussten Arnold und sein Kameramann George Robinson Anno ’55 noch tief in die Trickkiste greifen, um aus einer gewöhnlichen Tarantel eine haushohe Bedrohung zu machen, die riesige Giftpfützen hinterlässt. Doch dank seiner vorherigen Erfolge und der Tatsache, dass niemand anders seinen Job machen wollte, genoss Arnold innerhalb des streng reglementierten und auf Profitmaximierung ausgerichteten Studiosystems Hollywoods nahezu grenzenlose Freiheit und das Vertrauen seitens Produzenten und der Studiobosse. „Niemand von den Vertragsregisseuren bei Universal Pictures hatte auch nur die geringste Ahnung von Science Fiction Filmen, also behauptete ich einfach, der Experte zu sein. Je mehr von diesen Filmen ich drehte desto mehr gefiel es mir, hauptsächlich deshalb, weil ich bei der Arbeit vom Studio völlig in Ruhe gelassen wurde“, bekannte Arnold in einem seiner letzten Interviews, in dem er auch keinen Hehl daraus machte, dass er von der Studioleitung nie eine gute Meinung hatte.

Trotz des jüngsten Erfolges seines Tierhorrorstreifens verbrachte Arnold das darauffolgende Jahr zunächst damit, einen Western und ein Crime/Noir Drama, beide mäßig erfolgreich, zu drehen, bevor er 1957 schließlich mit seinem Meisterwerk in sein vertrautes Genre zurückkehren sollte. Auch in „The Incredible Shrinking Man“ geht es wieder um ein fehlgeschlagenes Experiment, doch diesmal ist es kein Tier, das wächst, sondern ein Mensch, der immer kleiner wird. Von der Idee her – Mensch und Tier im wechselnden Größenverhältnis – sind der schrumpfende Mann und „Tarantula“ sich nicht unähnlich, dennoch steckt der Teufel im Detail. Denn während in „Tarantula“ die Schauspieler noch in gewohnter Umgebung drehen konnten, mussten für den Mini-Mann eigene Kulissen in Riesengröße gebaut werden, in die dann die Rückprojektionen von den zuvor gefilmten Ratten und Spinnen eingefügt werden mussten, um die Illusion entstehen zu lassen.

Obwohl Arnold bis in die späten Siebziger immer wieder Kinofilme produzierte und bei ihnen Regie führte, arbeitete er bis 1984 fast nur noch fürs Fernsehen und inszenierte zahlreiche Folgen von Erfolgsserien wie „Peter Gunn“, „Ihr Auftritt, Al Mundy“, „Buck Rogers“, „Wonder Woman“, „Ein Colt Für Alle Fälle“ oder „Love Boat“. Insgesamt saß er weit über hundert Mal auf dem Regiestuhl und wurde 1985 noch für sein Lebenswerk ausgezeichnet, doch seine großen Errungenschaften hatte er zu diesem Zeitpunkt längst geleistet. Wenn Roger Corman in den Sechzigern zum „King of B“ ernannt wurde, dann ist Arnold mit Sicherheit der Vater des B-Films, wie wir ihn heute begreifen.

Im März 1992 verstarb Jack Arnold im Alter von 75 Jahren in Woodland Hills in der Nähe von Los Angeles. Im Kiemenmann wird er ewig weiterleben.

Text: Peter Vignold


Die wichtigsten Filme von Jack Arnold

It Came From Outer Space, 1953
(Gefahr aus dem Weltall)
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Creature From The Black Lagoon, 1954
(Der Schrecken vom Amazonas)
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Revenge Of The Creature, 1955
(Die Rache des Ungeheuers)
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Tarantula, 1955
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The Incredible Shrinking Man, 1957
(Die unglaubliche Geschichte des Mr. C)
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The Space Children, 1958
(Kinder des Weltraums)

     
   
Mit V8-Bombern über den Salzsee
DIE BELLYTANK-STORY
von Norman Gocke

Laut dem SCTA-Reglement von 1950 nennt man einen stromlinienförmigen Salzseerenner mit freistehenden Rädern Lakester. Die Erbauer der Lakester, die einst zwei untere Hälften von Flugzeugtanks zusammenschraubten, sie mit heiß gemachten V8-Maschinen bestückten und mit Vollgas übers Salz ballerten, nannten ihre Geschosse schlicht Belly Tanks.

Wenn salzhaltige Wüstenflüsse in Endseen münden, aus denen das Wasser kaum abfließen kann, verdunstet irgendwann einmal alles, wenn der Zufluss versiegt. Zurück bleibt eine topfebene Salzwüste mit brettharter Oberfläche. So geschehen in Südkalifornien und Utah vor 14.000 Jahren. Vor knapp 70 Jahren begannen benzinsüchtige Hot Rodder, die vertrockneten Endseen als idealen Verkehrsraum für maximale Endgeschwindigkeiten zu nutzen und sich in den Vollgasrausch zu katapultieren. Schon bald erkannte man, dass ein hochgezüchteter Flathead V8 allein nicht viel bringt, wenn die Karosse wie eine Schrankwand im Fahrtwind steht. Demontierte Kotflügel, gechoppte Dächer und abgerissenes Chromgeraffel wurden daraufhin zum Tuningtrend der Dreißiger Jahre. Lästigerweise unterbrach der Zweite Weltkrieg das Wettrüsten auf dem Salz, als 1941 die USA begann mitzumischen und die meisten Hot Rodder an die Front abkommandierte.

Auch Bill Burke parkte seinen entchromten 32er Ford Roadster fürs Erste unterm Carport und verteidigte die Freiheit Amerikas im Dienste der Navy auf dem Pazifik. Doch auch auf dem Wasser ließ ihn das Dry Lake Racing nicht los. Eines Tages sah er, wie aerodynamisch geformte Zusatztanks für P-51 Mustang Jagdflieger verladen wurden. Die Abmessungen von Ford-Achsen und des Flatheads hatte der Hobby-Schrauber selbstverständlich im Hinterkopf und in einem unbeobachteten Moment maß Bill mit dem Zollstock einen der Spritbehälter aus, die Vision eines revolutionären Streamline-Rods vor Augen. Wie das Budget der meisten Hot Rodder-Kollegen, war auch Burkes Finanzdecke alles andere als gut gefüttert. An den Bau eines Streamliners von Hand oder den Kauf eines Tanks als Neuteil war gar nicht erst zu denken. Die Idee, Flugzeugtechnologie mit Ford-Teilen zu kombinieren, wurde nach dem Krieg jedoch urplötzlich finanzierbar, als die ersten ausgemusterten Kampfflugzeuge aus Uncle Sams Flotte auf den Schrottplätzen der Region landeten. Die einst mit enormen Aufwand von den besten Ingenieuren des Landes konstruierten Kisten wurden ausgeschlachtet, eingeschmolzen und in Teilen verscherbelt. Den noch vor Kurzem unerschwinglichen High-Tech-Tank einer P-51 griff Bill bei einem örtlichen Schrotti für schlappe 35 Bucks ab und zerrte die Beute sofort in die heimische Schrauberhöhle.

Mit dem ersten Belly Tank Lakester der Welt erregte der Hot Rodder mit Weitsicht 1946 erwartungsgemäß großes Aufsehen, als er auf dem südkalifornischen Salzsee das erste Mal an den Start ging. Der Motor, ein Mercury V8, befand sich im vorderen Teil des Racers, während der Pilot des Tieffliegers hinter der Maschine auf einem Fahrradsattel saß. Weichei-Features wie Sicherheitsgurte waren zu jener Zeit selbstverständlich noch kein Thema. Mit seinem respektablen Top Speed von 132 mph war Burke aber noch nicht zufrieden. Er wusste, dass das Belly Tank-Konzept noch weitaus mehr Potenzial hatte. Der Fahrer und ein Teil des Motors ragten noch zu weit aus dem Fahrzeug heraus und störten die Stromlinie. Klarer Fall: ein größerer Tank musste her. Im Gegensatz zum kleinen Treibstoffreservoir der einmotorigen P-51, waren die Zusatztanks unter den Tragflächen des von den Nazis als “Gabelschwanzteufel“ gefürchteten Langstre- ckenbombers P-38 Lightning mit 315 Gallonen Fassungsvermögen fast doppelt so groß. Der “Father of Tank Racers“ bekam den, diesmal hinterm Fahrer angeordneten, 272 cubic inch Motor komplett unters Blech gestopft und brannte mit über 139 mph einen neuen Rekord in die Wüste. 1948 brach Bill Burkes “Sweet Sixteen“ gleich zweimal die eigene Rekordzeit. Wiederum ein Jahr darauf fuhr sein Belly Tank mit über 164 mph durch die Lichtschranke der SCTA, der Southern California Timing Association. Da laut Reglement für offizielle Rekordfahrten immer ein two-way run erforderlich war, dessen Mittelwert genommen wurde, um Vorteile wie z.B. Rückenwinde auszuschliessen, wurde die Höllenfahrt nicht anerkannt. 164 Meilen pro Stunde - das sind über 260 km/h - gefahren mit Model A-Achsen aus den Zwanzigern, ursprünglich konstruiert für Höchstgeschwindigkeiten um die 100 Kilometer pro Stunde! Dass seine Fahrt nicht anerkannt wurde, machte Bill gar nichts aus. Nur einen Monat später stampfte seine süße 16 die Konkurrenz mal wieder in Grund und Boden, als sie auf einem hochoffiziellen two-way run als erster Belly Tank die 150 mph-Marke knackte...

Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger erreichten zwar mittlerweile richtig teure, ausschließlich für Hochgeschwindigkeitsfahrten auf dem Salzsee konstruierte Streamliner noch höhere Geschwindigkeiten, die improvisierten Lakester erfreuten sich jedoch weiterhin größter Beliebtheit.

Kein anderes Auto erlaubte für vergleichsweise wenig Geld Geschwindigkeiten jenseits der 150 Meilen pro Stunde, wie es der Belly Tank tat. Die SCTA schuf aus diesem Grunde die Streamliner-Klasse für Fahrzeuge mit karosserieseitig abgedeckten Rädern, und wies den Bellys ihre eigene Lakester-Klasse zu. Finanzstarke Rennteams mit ihren Prototypen und todesmutige Hobby- Hot-Rodder mit ihren rasenden Flugzeugtanks kamen sich somit bei der Rekordjagd nicht ins Gehege.

Wheelers Car Club Member und Gründer des So-Cal Speedshops, Alex Xydias aus Norwalk/Kalifornien, baute sich, angefixt von den Erfolgen des Burke-Bellys, mit dem Special den im Nachhinein vielleicht berühmtesten Lakester der Geschichte. Nach einigen bemerkenswerten Klassensiegen, schaffte es sein rot-weisser Renner 1949 auf die Titelseite der Januar-Ausgabe des Hot Rod Magazines. 1952 brach das So-Cal Speedshop Racing Team auf dem Bonneville Salt Lake den Rekord von Bill Burke, ehe man noch am selben Tag auf dem Motel-Parkplatz den 156 cubic inch Flathead gegen einen größeren 259er austauschte, um nur wenige Stunden später in einer höheren Motorenklasse mit sagenhaften 181 mph einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen, der sich gewaschen hatte. Mit einem 296 cubic inch Mercury Flathead fuhr der Titelblatt-Lakester sogar sagenhafte 198 mph, allerdings nur one-way. Den anschließend offiziellen Rekord von 195 mph hielt Alex keine 24 Stunden, ehe am nächsten Tag der Hemi gepowerte Mal Hoopster Lakester noch zwei Meilen pro Stunde drauflegte. Nichtsdestotrotz ist der So-Cal Special mit seiner 198 mph Fahrt bis heute der schnellste nicht aufgeladene Flathead-V8 der Rennsportgeschichte. Der Bombermechaniker Alex Xydias war ein absoluter Flathead-Spezialist. Als gegen Ende der Fünfziger Jahre GM’s Small Block mit hängenden Ventilen zum Maß der Dinge aufstieg, weil er größere Leistungsreserven bot, wurde die veraltete Vorkriegskonstruktion von Ford auf dem Performance-Sektor verdrängt. Danach ging es mit dem So-Cal Speedshop allmählich bergab, bis die Werkstatt 1961 geschlossen wurde.

Nicht ganz so berühmt wie der So-Cal Special Belly Tank, dafür um so schneller, war der Tom Beatty Lakester. Tom Beatty experimentierte schon früh mit zwangsbeatmeten Kompressor-Motoren und machte bereits in den frühen Fünfzigern seinem Flattie mit einem GMC-371 Kompressor ordentlich Druck. Der Kalifornier knallte 1952 one-way mit fast 204 mph durch die Wüste. Auf den beeindruckenden Ritt mit dem Alkohol tankenden Beatty-Racer, folgte eine dreijährige Durststrecke, in der Toms Geschwindigkeitsrausch immer wieder durch Motorschäden unterbrochen wurde. Die Vorkriegsmotoren mit ihren stehenden Ventilen kamen nicht mit dem enormen Leistungsdruck klar, den der Kompressor ausübte. Erst als der Kompressorhersteller Weiand (Mad Max-Fans wissen Bescheid) als Sponsor einstieg, lief der V8 wieder rund und mit einer offiziellen Two-Way-Fahrt von gleich über 211 mph stieg Beatty 1955 zum proud member des 200 mph Clubs auf. Auch Beatty wechselte alsbald auf die overhead valve Maschinen von Ford-Konkurrent Oldsmobile. Bis 1962 fuhr er einen Geschwindigkeits- rekord nach dem anderen ein. Zuletzt erreichte er offizielle 243 mph und nicht anerkannte 252 mph.

In den Mitt-Sechzigern kam das Bombertank-Konzept bei den mittlerweile gefahrenen Geschwindigkeiten konstruktiv an seine Grenzen. Nach fast zwanzig Jahren, in denen sie die Salzwüste zum Beben brachten, waren sie schlichtweg technisch veraltet und ausgereizt. Craig Breedlove rückte in der Zwischenzeit in den Fokus der Salzsee-Freaks. Mit seinen raketengetriebenen Stream- linern, die alle den Namen “Spirit of America“ trugen, drang er in ganz andere Sphären vor, indem er im Zeitraum von 1963 bis 1965 gleich im Jahresrhythmus die 400, 500 und 600 Meilen pro Stunde knackte. Mit 243 mph ist der Belly Tank von Tom Beatty seit 1962 der schnellste Lakester der Rennsportgeschichte und wird es vielleicht für immer bleiben.

von Norman Gocke

     
JAKE LAMOTTA
Die Geschichte vom wilden Stier
von Peter Vignold

Die Geschichte von JakeLa Motta, dem „Bronx Bull“ oder auch „Raging Bull“ ist die Geschichte eines amerikanischen Underdogs, der es einmal bis ganz nach oben geschafft hat. Berüchtigt für sein eisernes Kinn und seine unmenschlichen Nehmerqualitäten boxte er sich in der Mittelgewichtsklasse bis zum Weltmeistertitel hoch und war der erste, der dem als unbesiegbar geltenden Sugar Ray Robinson die gehärtete Stirn bieten konnte.Doch um so weit zu kommen, musste er sich mit der Mafia einlassen.

Die Roaring Twenties waren gerade angebrochen, als Giacobe LaMotta im Juli 1921 in New York City das Licht der Welt erblickte. Als ein Kind der Bronx wuchs er in der Nähe des Morris Park auf, wo er bald das erste Mal in einen Faustkampf verwickelt wurde. Das Geld war nämlich knapp, und so wurde der kleine Jake bereits in jungen Jahren von seinem Vater in den Kampf gegen Nachbarskinder geschickt – zum Vergnügen der Zuschauer, die im Anschluss an die Kämpfe ihr Kleingeld in den improvisierten Ring warfen. Dort wurden bereits die Weichen gestellt für Giacobes späteres Leben, das 1941 beginnen sollte. Damals, im Alter von 19 Jahren, beschloss er, ein Profiboxer zu werden.

Sechs Jahre lang kämpfte LaMotta von schäbigen Boxclubs bis zum Madison Square Garden und schlug sich buchstäblich so durch. Dann kam der Tag, der alles veränderte.

Der Mob trat an LaMotta heran. So lange es Sportwetten gab, hatte das organisierte Verbrechen dort sein Finger drin, und der aufstrebende Boxer musste sich entscheiden, ob er käuflich ist oder nicht. Er sollte im Kampf gegen den aufstrebenden Billy Fox im Madison Square Garden am 14. November 1947 in der vierten Runde zu Boden gehen. Doch manchmal ist so etwas einfacher gesagt als getan. In seiner Biographie schrieb er später über den unglücklich verlaufenen Kampf: „In der ersten Runde schlage ich ihn ein paar mal vor den Kopf, und ich sehe, wie seine Augen einen glasigen Blick kriegen. Jesus Christus, ein paar Jabs und er fällt schon um? Ich bekam ein bisschen Panik. Von mir wurde erwartet, dass ich den Kampf gegen diesen Kerl schmeiße, und so wie jetzt es aussah, musste ich ihn überhaupt erst einmal so lange auf den Füßen halten. Wenn es in der vierten Runde noch irgendjemanden im Garden gab, der nicht wusste, was hier gerade passierte, muss er stockbetrunken gewesen sein.“

Zutiefst misstrauisch geworden behielt die New York State Athletic Commission zwar das Preisgeld für den Kampf ein und schloss LaMotta vorübergehend von weiteren Wettkämpfen aus, doch die neuen Freunde des „Bronx Bull“ hielten ihr Wort und sorgten dafür, dass er seine Chance auf einen Titelkampf gegen den amtierenden Weltmeister, den Franzosen Marcel Cerdan, erhalten sollte.

1949 sollte es soweit sein: in Detroit Motor City standen sich Jake LaMotta und Marcel Cerdan beim Titelkampf gegenüber. Doch für Cerdan stand der Kampf bereits von Anfang an unter einem schlechten Stern. Bereits in der ersten Runde kugelte sich der 32-jährige Mittelgewichtler die Schulter aus und konnte nur von dem Moment an nur noch mit einem Arm kämpfen. Niemand kann genau sagen, wie er es unter diesen Umständen bis zur zehnten Runde überlebt hat, aber so lange dauerte es, bis er das Handtuch warf und dem drei Jahre jüngeren New Yorker den Gürtel überreichte. Natürlich wurde umgehend ein Rückkampf ausgemacht, doch zu dem sollte es nie kommen; als Cerdan sich auf dem Weg zu seiner erneuten Begegnung mit dem „Raging Bull“ befand, stürzte seine Maschine über den Azoren ab. Bei dem Aufprall wurden alle Insassen getötet.

Weitere zwei Male musste LaMotta seinen neu gewonnenen Titel verteidigen. Zunächst gegen den Italiener Tiberio Mitri, später gegen den Franzosen Laurent Dauthuille. Obwohl Dauthuille den „Raging Bull“ vor dessen Weltmeisterschaftssieg bereits einmal nach Punkten geschlagen hat, hatte er in der Weltmeisterschaft im September 1950, die wieder in Detroit ausgetragen wurde, weitaus weniger Glück. Der Kampf sollte über 15 Runden gehen, und wie schon beim ersten Match lag der Franzose in den Augen aller drei Punktrichter klar vorne. In der letzten Runde jedoch landet LaMotta einen harten Treffer, Dauthuille taumelt und geht zu Boden. Dreizehn Sekunden vor dem letzten, alles entscheidenden Gong erklärt der Schiedsrichter Jake LaMotta zum Sieger durch KO.

Doch die größte Herausforderung sollte LaMotta noch bevorstehen: das St. Valentine’s Day Massacre, wie der große Kampf zwischen dem „Raging Bull“ und seinem Erzfeind Sugar Ray Robinson umgangssprachlich genannt wurde. Es war mittlerweile ihre sechste Begegnung im Ring. In ihrem ersten Kampf im Oktober 1942 in New York unterlag LaMotta nach Punkten – niemand hatte Sugar Ray bis dahin geschlagen, und auch der Mann mit dem eisernen Kinn konnte seiner Strähne kein Ende setzen.

Ein halbes Jahr später jedoch kam es in Detroit zum Rückkampf, und LaMotta wurde buchstäblich zum wilden Stier. Erbarmungslos drosch er auf Sugar Ray ein, der in der achten Runde in den Seilen hing, aber vom Gong gerettet wurde. Dennoch hatte er keine Chance – LaMotta sollte in dieser Nacht der erste werden, der ihn auf die Bretter schickte. Doch bereits am Ende desselben Monats bekam Sugar Ray seine Revanche, und bis 1951 sollte er LaMotta noch drei Mal vernichtend schlagen. Auch in ihrem sechsten und letzten Kampf am 14. Februar 1951 konnte LaMotta nicht mehr an seinen einmaligen Erfolg anknüpfen – im Weltmeisterschaftskampf im Chicago Stadium unterlag er und verlor seinen Titel.

Drei weitere Jahre hielt es Jake LaMotta noch im Ring. Drei Jahre, in denen er unter anderem den ersten und einzigen Knock Out seiner Karriere kassierte. Danny Narico verpasste ihm in der Sylvesternacht 1952/53 im Coral Gables, Florida, in der siebten Runde einen schweren rechten Haken und schickte den „Bronx Bull“ in die Seile, woraufhin sein Trainer nach dem Gong das Handtuch warf. Nach dem Kampf hing LaMotta die Handschuhe an den Nagel, wagte aber etwas mehr als ein Jahr später noch mal einen erfolglosen Comeback- versuch. Zwei Kämpfe – gegen Johnny Pretzie und Al Kid McCoy – gingen gut für ihn aus, aber Billy Kilgore war es dann, der LaMottas Karriere mit einem Sieg nach Punkten am 14. April 1954 im Auditorium in Miami endgültig beendete.

Doch nach 106 Kämpfen, davon 83 gewonnenen, hatte Jake längst andere Pläne. Er war immer ein großer Freund des Nachtlebens und der Unterhaltung, so dass es nicht verwunderlich was, dass er ein paar Bars kaufte und sich als Nachtclubbesitzer versuchte. Er entdeckte seine komische Ader und versuchte es als Stand Up- Comedian, und auch Hollywood sollte nicht vor ihm sicher bleiben. Nach seinem Debüt in „Rebellion in Cuba“ aus dem Jahre 1961 konnte er noch im selben Jahr eine Rolle als Bartender in dem Billard-Drama „Haie der Großstadt“ mit Paul Newman als Queue-Legende „Fast Eddie“ Felson, Jackie Gleason und Piper Laurie ergattern. Weitere Rollen blieben jedoch eher die Ausnahme – 14 Spielfilme eine wiederkehrende Rolle in der Fernseh- serie „Car 54, Where Are You?“ waren das höchste der Gefühle, wobei sein Auftritt in dem kultigen Horrorfilm „Maniac Cop“, der 1988 von LaMottas Neffe William Lustig inszeniert wurde, der letzte Höhepunkt war.

In diesem Sommer wird Jake LaMotta 88 Jahre alt. Er ist eine lebende Boxlegende, Mitglied der International Boxing Hall Of Fame und wurde zu einem der zehn größten Mittelgewichtsboxer aller Zeiten gewählt. Er hat mehrere Bücher geschrieben, in denen er sich mit dem Boxen, seinem Leben, seiner Frau und seinen Kämpfen gegen Sugar Ray Robinson befasst. Er hat seinen Sohn Joey überlebt, der 1998 bei einem Flugzeugunglück in Kanada ums Leben kam, und ist stolzer Onkel von Johny LaMotta, der zwar als Amateurboxer nicht ganz so erfolgreich war, dafür aber als Schauspieler bessere Karten hatte und als Trevor Ochmonek aus der Serie „ALF“ weltberühmt wurde.

von Peter Vignold

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ONE HELL OF A MESS
The Hollister Bash
von Norman Gocke

Der 2. Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren bei den jungen Heimkehrern der US Army. Traumatisiert von den Schlachtfeldern in Europa und im Südpazifik, fanden viele nicht mehr zurück ins gewöhnliche bürgerliche Leben der amerikanischen Kleinstädte. Adrenalin, Gefahr und Geschwindigkeit gehörte für sie zum gewohnten Tagesablauf, nicht Rasenmähen, Kirchgänge und ein Dasein als glücklicher Konsument. Viele Kriegsheimkehrer fanden eine sinnvolle Beschäftigung im Hot Rodding, anderen langten zwei Räder zur motorisierten Rebellion und hielten auf Triumph, BSA und Harley das miefige Kleinbürgertum in Schach.

Hollister war bis zum 4. Juli 1947 ein unbedeutendes, erdbebengefährdetes Städtchen in Kalifornien mit Main Street, ein paar Kirchen und einigen tausend bibel- und gesetztestreuen Bürgern. Am Independence Day 1947 veranstaltete die American Motorcyclist Association (AMA) erstmalig nach dem Krieg in Hollister eine dreitägige Motorradsportveranstaltung, die von 4.000 gesetzlosen Bikern (Hollister selbst hatte nur 4.500 Einwohner zu jener Zeit) überfallen wurde, die aus den gesamten USA anreisten und in ihr einen willkommenen Anlass sahen, den Weltkrieg fortzuführen. Hollister versank im Chaos. Man hielt sich nicht an den erdachten Programmablauf, fuhr stattdessen illegale Rennen auf der Main Street, pöbelte rum, urinierte in der Öffentlichkeit und zerstörte, teils mit Motorrädern, das ein oder andere Mobiliar einer Bar oder eines Diners. Die unterbesetzte örtliche Polizei stand der Armada von 4.000 Wahnsinnigen machtlos gegenüber und Hollisters Polizeichef wurde später in der Presse mit „It’s just one hell of a mess“ zitiert. Am Abend des 6. April war der Spuk vorbei und man begann mit den Aufräumarbeiten. Zwar ging in Hollister ganz gut die Post ab, aber ohne die Anwesenheit eines Fotografens des LIFE Magazines, wären die Hollister Riots ganz bestimmt nicht als die Geburtsstunde der Rocker-Bewegung in die Geschichte eingegangen.

Unter dem Titel „Cyclist’s Holiday – He and friends terrorize a town“ veröffentlichte das LIFE Magazine wenige Tage nach dem sogenannten Hollister Bash ein großformatiges Foto eines stinkbesoffenen Rockers auf Seite 31, der mit zwei Flaschen Bier auf einer Starr-rahmen-Harley saß, unter ihm ein Meer leerer Bierpullen. Der wie Wolverine aussehende junge Mann im Bildhintergrund war Gus Deserpa, ein Einwohner Hollisters, der nur zufällig mit aufs Bild gelangte.

Der damals 31-jährige Deserpa erinnerte sich später, dass die LIFE-Journalisten die Bierflaschen auf der Straße zusammensammelten und unter die Harley legten, ehe sie einen zufällig vorbeikommenden dicklichen Biker baten, sich auf das Motorrad zu setzen und zu posieren. Die US-Öffentlichkeit hatte einen neuen Angstgegner, der Hollister Bash galt als Geburtsstunde der Rocker-Bewegung, obwohl es Rocker auch schon tags zuvor gegeben hat, und die auflagenstarke Negativpresse bescherte dieser neuen Form der Rebellion großen Zulauf durch gelangweilte Kids in allen Bundesstaaten. Die AMA sah sich durch die große öffentliche Aufmerksamkeit zu einem Statement genötigt und der Legende nach verkündete ein Sprecher, dass weniger als ein Prozent aller Biker gesetzlose Rocker seien. Die ganz harten Jungs nahmen die Steilvorlage gerne auf und trugen fortan als Symbol ihrer Individualität und ihres Glaubens an die persönliche Freiheit 1%-Patches auf ihren Joppen und nannten sich stolz One-Percenter.

Die AMA bestreitet heute, jemals diese Presseaussage getätigt zu haben. Staatenweit schossen neue Clubs und Chapter wie Pilze aus dem Boden und 1948 gründete sich mit den Hells Angels der bis heute bekannteste Club. Hollywood griff die Ereignisse von Hollister 1953 stark dramaturgisiert in dem Streifen ”The Wild One” mit Marlon Brando auf. An der Seite von Lee Marvin mimte Brando Johnny Strabler, den Anführer einer Motorradgang, die in Lederjacken eine verschlafene kalifornische Kleinstadt zerstören wollen. Genau wie der zwei Jahre später veröffentlichte James Dean-Film Rebel without a Cause, prägte The Wild One eine ganze Generation rebellierender Jugendlicher, unter ihnen auch Ober-Angel Sonny Barger, der laut eigener Aussage ohne Marlon Brando nie zum Rocker geworden wäre.

Film-Rocker Brando, der sich auch im wirklichen Leben keinen Konventionen unterwarf und sich für die Rechte der schwarzen und indigenen Bevölkerung in den Staaten einsetzte, starb 2004 in Los Angeles. Gus Deserpa starb 2007 im Alter von 91 Jahren in Hollister, wo bis heute alljährlich die Motorradveranstaltung stattfindet, die als Ausgangspunkt einer Bewegung in die Geschichte einging.

Text: Norman Gocke

   
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